„Anne und ich: erinnere – bedenke – handle“ Gedenkwoche an der Clara-Fey-Schule vom 26. bis 30. Januar 2026
In der Woche vom 26. bis zum 30. Januar 2026 stand die Clara-Fey-Schule ganz im Zeichen des Erinnerns, des Bedenkens und des verantwortungsvollen Handelns. Unter dem Leitsatz „Anne und ich: erinnere – bedenke – handle“ wurde im Rahmen der diesjährigen Gedenkwoche an die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur an die Vergangenheit erinnert, sondern zugleich der Blick bewusst auf die Gegenwart und die Zukunft gerichtet.
Zentraler Bestandteil der Woche war die Ausstellung zu Anne Frank, die im Medienraum sowie in angrenzenden Räumen aufgebaut war und Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis zur Oberstufe zum Besuch einlud. Die Ausstellung verband historische Informationen mit persönlichen Zugängen und eröffnete vielfältige Perspektiven auf das Leben Anne Franks und die Zeit des Nationalsozialismus. Neben eigenen Beiträgen der Gedenken-AG wurden digital zugängliche Plakate des Anne-Frank-Zentrums präsentiert. Ergänzt wurden diese durch ein von Schülerinnen und Schülern der Einführungsphase erstelltes Video, das historische Zusammenhänge anschaulich mit der Lebensgeschichte Anne Franks verknüpfte und deutlich machte, dass hinter historischen Fakten immer individuelle Schicksale stehen. Besonders eindrücklich war der sogenannte „Raum der Stille“. Hier wurden Zitate aus Anne Franks Tagebuch vorgelesen, während die räumliche Gestaltung die Atmosphäre des damaligen Verstecks nachempfinden ließ. Enge, Dunkelheit und Stille ermöglichten den Besucherinnen und Besuchern einen besonderen Zugang zu den Lebensbedingungen, unter denen Anne Frank und ihre Familie eine Zeit lang leben mussten. In einem weiteren Raum wurden Augenzeugenberichte zum Leben Anne Franks in Dauerschleife gezeigt und machten deutlich, wie sehr Erinnerung von persönlichen Stimmen lebt. Die Ausstellung förderte nicht nur die historische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sondern stärkte zugleich zentrale Werte wie Toleranz, Empathie, Demokratiebewusstsein und Zivilcourage. Viele Schülerinnen und Schüler nahmen aus dem Besuch mit, wie wichtig es ist, Ausgrenzung frühzeitig zu erkennen, sich mit Betroffenen zu solidarisieren und Verantwortung im eigenen Alltag zu übernehmen. An einem weiteren Angebot konnten die Besucherinnen und Besucher ihre Gedanken und Eindrücke auf Postkarten festhalten. Ein Beitrag lautete: „Liebe Anne, ich nehme mit, dass man nicht wegsehen soll. Man sollte für seine Mitmenschen aufstehen – egal welche Sexualität oder Hautfarbe sie haben. Man sollte den Mut haben aufzustehen und denen helfen, die sich nicht zu helfen wissen, denen die Angst haben und denen, die ausgegrenzt werden.“ Dieses Feedback verdeutlicht eindrücklich, dass die Auseinandersetzung mit Anne Franks Geschichte nicht bei der Vergangenheit stehen bleibt, sondern zu einer persönlichen Haltung gegenüber den Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft führt. Auch Schülerinnen und Schüler des Johannes-Sturmius-Gymnasiums besuchten die Ausstellung. Der Austausch während dieser Begegnungen machte deutlich, wie wertvoll schulübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der regionalen Erinnerungskultur ist und weckte die Hoffnung auf künftig zu gestaltende gemeinsame Projekte.
Ein weiterer zentraler Moment der Gedenkwoche war die Schweigeminute am internationalen Holocaust-Gedenktag. In einer Ansprache wurde an die Millionen Menschen erinnert, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Am Beispiel Anne Franks wurde verdeutlicht, dass hinter jeder Zahl ein individuelles Leben steht. Ihre Worte – „Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern!“ – begleiteten die Schulgemeinschaft sichtbar durch den Tag. Die anschließende Schweigeminute lud dazu ein, innezuhalten und sich der Verantwortung bewusst zu werden, die jede und jeder Einzelne für ein respektvolles Miteinander trägt. Sie erinnerte an Krieg, Hunger, Ausgrenzung und Gewalt und mahnte zugleich zum Handeln in der Gegenwart sowie zum Einstehen für Vielfalt und demokratische Werte.
Im sogenannten „Herrgottswinkel“ hatten Schülerinnen und Schüler darüber hinaus die Möglichkeit, anonym Zettel in eine Klagemauer zu stecken und ihren Gedanken, Sorgen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dieses Angebot wurde rege genutzt und zeigte, wie sehr das Thema viele junge Menschen innerlich bewegt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Gedenkwoche lag auf der aktiven und zeitgemäßen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Hierfür wurde ein interaktiver digitaler Parcours mit der BIPARCOURS-App veröffentlicht: „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Schleiden“. Dieses Angebot ermöglichte es, regionale Erinnerungskultur eigenständig zu erkunden und Gedenken aus dem Schulraum heraus in den öffentlichen Raum zu tragen. Begleitet wurde diese digitale Erweiterung der Erinnerungskultur durch einen von Schülerinnen und Schülern der Gedenken-AG gestalteten Instagram-Kanal: @cfs.erinnern_und_gedenkenDort wurden Inhalte des Parcours aufgegriffen, Eindrücke aus der Gedenkwoche geteilt und Impulse zum Weiterdenken gesetzt. Auf diese Weise wurde deutlich, dass Erinnerung nicht abgeschlossen ist, sondern fortgeführt wird – im digitalen Alltag junger Menschen, vernetzt, reflektiert und von Schülerinnen und Schülern selbst verantwortet.
In der darauffolgenden Woche, am 5. Februar, wurde das Thema im Rahmen einer Aufführung für die Jahrgangsstufe 7 des Gymnasiums und der Realschule weitergeführt. Die Inszenierung mit anschließender Reflexionsphase machte den Alltag verfolgter Menschen am Beispiel Anne Franks und ihrer Familie für jüngere Schülerinnen und Schüler greifbar und förderte ein Bewusstsein für Toleranz, Vielfalt und demokratische Werte in ihrer eigenen Lebenswelt.
Rückblickend war die Gedenkwoche eine intensive und gelungene Zeit des Erinnerns. Sie zeigte, dass Gedenken mehr ist als das bloße Zurückblicken auf historische Ereignisse. Die vielfältigen Aktionen machten deutlich, wie wertvoll unsere demokratische Gesellschaft ist – mit all ihren Herausforderungen, aber auch mit den Freiheiten, der Vielfalt und der Individualität, die sie ermöglicht. Für die Schülerinnen und Schüler wurde erfahrbar, dass Erinnerung Verantwortung bedeutet: für das eigene Handeln heute und für die Gestaltung einer Zukunft, in der Ausgrenzung, Hass und Gleichgültigkeit keinen Platz haben.
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten und insbesondere den Mitgliedern der Gedenk-AG: Eileen Bongard, Joleen Dederichs, Julia Hermanns, Lucy Baltzer, Luisa Sauer, Maja Hölz, Sarah Steinbach und Tim Zöll. Ihr habt euch mit großem Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität in die Vorbereitung und Durchführung der Gedenkwoche eingebracht und damit das Erinnern an unserer Schule lebendig gestaltet.
Patrick Quella








